Lehrer Opitz

Rudolf Opitz wurde am 3. Januar 1890 als Sohn eines Zimmermanns in der Nähe von Dresden geboren und ist in der sächsischen Metropole mit vielen Geschwistern aufgewachsen.

 

Sein Wunsch und Berufsziel war es, einmal Pfarrer zu werden. Da die Mittel des Vaters hierfür nicht ausreichten, kam er 1904 zur Lehrerausbildung nach Pirna. Die Ausbildung schloss er 1910 mit sehr gutem Erfolg ab. Durch widrige Umstände erhielt er leider kein Stipendium, das ihm das so ersehnte Theologiestudium ermöglicht hätte. In der Hoffnung, doch noch einen Mäzen dafür zu finden, nahm er eine Hauslehrerstelle auf einem Rittergut in Schlesien an. Die Erwartung erfüllte sich jedoch nicht, dafür fand er eine verständnisvolle Lebensgefährtin.

1912 bestand Rudolf Opitz seine zweite Lehrerprüfung, erhielt aber keine Anstellung in Sachsen.

 

1913 wurde ihm im damaligen oldenburgischen Fürstentum Birkenfeld eine Lehrerstelle in Fischbach angeboten, die er annahm. Kurze Zeit später nach Oberhosenbach versetzt, rief ihn 1914 der erste Weltkrieg zu den Waffen.

 

Zweimal verwundet, geriet er in englische Kriegsgefangenschaft. In einem Offiziersgefangenlager in den einsamen schottischen Hochmooren formte und festigte sich seine für seine Wesensart idealistische Einstellung zum Leben.

In der kurzen Zeit seines Aufenthaltes im Birkenfelder Land hatte er dieses bereits eifrig erwandert und auch Bekanntschaft mit den Bundenbacher Dachschiefern und ihren Versteinerungen gemacht, so dass er seinen mitgefangenen Leidensgenossen in den schottischen Mooren von der Schönheit des Hahnenbachtals, der Schmidtburg, der Geologie und den Fossilien begeistert erzählen konnte.

 

1919 kehrte er in die Wahlheimat zurück und wurde bis 1924 in Griebelschied Lehrer. Anschließend übte er die Funktion des Hauptlehrers 15 Jahre lang in Kirschweiler aus und war sicher die bedeutendste Persönlichkeit unter den Lehrern seit Einführung der allgemeinen Schulpflicht im Jahre 1834.

 

Von 1925 ab widmete er einen großen Teil seiner Schaffenskraft dem Sammeln von einheimischen Insekten, von Versteinerungen und Gesteinen sowie dem Einrichten von geologischen und paläontologischen Sammlungen, die im Laufe der Zeit so einmalig wurden, dass sie den geräumigen Schulflur zu einem vielbesuchten Ausstellungsraum werden ließen.

Kirschweiler liegt geologisch am Südrand des Rheinischen Schiefergebirges, das sich im linksrheinischen Teil, dem Hunsrück größtenteils aus Schiefern, den Hunsrückschiefern und Quarziten, die nach dem rechtsrheinischen Pendant, dem Taunus Taunusquarzit genannt werden, aufbaut.

Beide erdgeschichtliche Einheiten gehören zur paläozoischen Formation (Erdaltertum) des Devon, die ca. 350 - 400 Millionen Jahre alt ist.

 

Zu jener Zeit war in unserer Gegend ein riesiges Meer,

dessen lebende Zeugen heute als Fossilien (Versteinerungen) vorliegen.

 

Bekannteste Fundpunkte sind Bundenbach und Gemünden.

 

Kaum ein paläontologisches Museum auf der ganzen Welt

besitzt nicht eine oder mehrere Schieferplatten von Bundenbach

mit den charakteristischen Fossilien, insbesondere mit Seesternen.

Es ist das Verdienst von Rudolf Opitz, diese Fossilien systematisch gesammelt, präpariert und bestimmt sowie die wissenschaftlichen Zusammenhänge geklärt zu haben. Er war ein begeisterter Sammler und brachte es beim Präparieren zu wahrer Meisterleistung.

 


Als Autodidakt auf geologischem und paläontologischem Gebiet erwarb er sich beachtliche fachliche Kenntnisse, was in Geologenkreisen nicht unbekannt blieb.

Namhafte Gelehrte suchten ihn auf, um seine Sammlungen zu sehen und wissenschaftliche Fachgespräche mit ihm zu führen.

Von entscheidender Bedeutung für ihn war die Begegnung mit Prof. Dr. Rudolf Richter, dem bekannten Frankfurter Geologen und Paläontologen, der auf ihn aufmerksam geworden war und, nachdem er festgestellt hatte, welche Qualitäten R. Opitz besaß, ihm in seinem Institut in Frankfurt einen Studienaufenthalt gewährte. Richter brachte Opitz dazu, die Schiefergruben planmäßig zu überwachen, die Funde und die Fundumstände der einzelnen Fossilien-Arten statistisch zu erfassen.

Seinem Eifer, seiner Ausdauer, seiner Planmäßigkeit, seinem geübten Auge und seiner Erfahrung verdankt die Paläontologie die Feststellung vieler seltener Tierarten und -formen aus dem Hunsrückschiefer, so dass wir ihn als Pionier des Hunsückschiefers bezeichnen können.

Seinem Spürsinn ist z.B. die Entdeckung des ersten Pfeilschwanzes, eines dem heutigen Molukkenkrebs Limulus ähnelnden Vorgängers aus dem Devon, zu verdanken.

Er stellte dieses von ihm als etwas Neues vermutete Exemplar Prof. Richter zur Verfügung, der es zusammen mit seiner Frau Emma Richter beschrieb und Rudolf Opitz zu Ehren bereits 1929 Weinbergina opitzi R. & E. Richter nannte.

 

 

Von Weinbergina opitzi wurden bis 1967 nur 2 weitere Exemplare gefunden.

Oft kann man von außen den Schieferplatten nicht ansehen, ob und welche Fossilien enthalten sind. Opitz erwähnte schon 1932, dass mit Hilfe von Röntgenstrahlen viel besser festgestellt werden könne, wie die Fossilien lagern, um dies beim Präparieren zu berücksichtigen.

 

Prof. Dr. W.M. Lehmann aus Bonn hat in den 30-er Jahren diese Präpariermethode entwickelt und als er 1957 die Seesterne aus dem Unterdevon systematisch mit Röntgenstrahlen untersuchte, kam er zu dem Schluß, dass in der Tat der als Aspidosoma tischbeinianum bestimmte Seestern mit den Hautresten zwischen den Armen eine neue Art sei und er nannte sie zu Ehren von Opitz 17 Jahre nach dessen Tod " Hymensoma opitzi W.M. Lehmann 1957", weil dieser sie gefunden, freigelegt, abgebildet und schon vermutet hatte, dass es eine neue Art sein könne.

Damit ist Rudolf Opitz bis jetzt bereits zweimal in Art-Namen von Fossilien geehrt worden und daher ist sein Name in der Paläontologie für alle Zeit verankert.

Der Holotypus, das Original von Hymenosoma opitzi befindet sich im Karl-Geib-Museum in Bad Kreuznach.

In einer Veröffentlichung über die Hunsrückschiefer-Phacopiden (Trilobiten) wurde auch eine weitere neue Fossil-Art von Dr. W. Struve nach Opitz benannt:  "Chotecops opitzi".

 

Wissenschaftler sind meist an den Universitäten in größeren Städten tätig und haben alle Vorzüge großer Bibliotheken und Laboratorien zur Verfügung. Dies ist für die Arbeit auf dem Lande nicht der Fall. Sie haben in den Naturwissenschaften wie Botanik, Zoologie, Geologie, Paläontologie, Mineralogie, die Natur in der Nähe, sind aber weit ab von der Alma Mater. Was würden die Wissenschaftler ohne Hilfe von engagierten Helfern an Ort und Stelle tun? Sie sind auf sie angewiesen. Meist bleiben Helfer in ihrer Funktion Helfer. Glücksfälle treten nur dann auf, wenn solche Helfer zu Wissenschaftlern werden und ein solcher Glücksfall für die Paläontologie war Rudolf Opitz. Die Verbindung des idealen Sammlers, der am Ort des Geschehens lebte mit dem gefühlvollen meisterhaften Präparator und dem Kenner der Materie, der die meisten Fossilien selbst bestimmen und ihre Entstehung deuten konnte.

 

In Anerkennung dieser Fähigkeiten wurde Rudolf Opitz am 24. September 1938 zum wissenschaftlichen Mitarbeiter an der Paläontologisch-Geologischen Abteilung des Senkenberg-Museums in Frankfurt ernannt.

Leider war ihm nur ein Jahr für diese Nebentätigkeit vergönnt, bis er in den zweiten Weltkrieg musste.

 

In einer Veröffentlichung seines Buches "Bilder aus der Erdgeschichte des Nahe-Hunsrück-Landes, Birkenfeld", erschienen 1932, mit 224 Seiten und 170 Abbildungen, verbindet Rudolf Opitz mit seiner umfassenden geologischen Kenntnis sein pädagogisches Geschick, um den Schülern von Kirschweiler und dem Birkenfelder Land seine geologische Heimatgeschichte näher zu bringen. Mit einem kindgemäßen leicht verständlichen und anschaulichem Text führt er sie zu verschiedenen Örtlichkeiten des Heimatraumes, die die einzelnen geologischen Phänomene zeigen.

Den Taunusquarzit stellt er ihnen in Winterschied vor, in einer Schiefergrube, die aus Tonschlamm entstand die Abdrücke von Seellilien, Seesternen und Tintenfischen und im Steinkaulenberg verdeutlicht er ihnen den Vulkanismus und die Entstehung der Achate.

Neben seiner pädagogischen- und wissenschaftlichen Tätigkeit schuf Rudolf Opitz anhand von Heimatliteratur und Kirchenbüchern 3 lokale Freilichtspiele.

 

"Im Großen Krieg" - "Schinderhannes" - und "Anno 1525", die von der Dorfgemeinschaft von 1935 bis 1939 auf der Festung in Kirschweiler mit großen Enthusiasmus aufgeführt wurden.

 

Rudolf Opitz, der in hervorragender Weise für seine Ideale lebte und wirkte, verstarb allzu früh am 16. Juli 1940 in Tschenstochau/Polen an den Folgen einer Kriegsverletzung.

Ihm zum ehrenden Gedenken wurde zu seinem 100. Geburtstag ein Gedenkstein aus Hunsrückschiefer mit Quarzitwacken, einer Gedenktafel und den Abgüssen der drei bisher nach ihm benannten Fossilien:

 

dem Pfeilschwanz: "Weinbergina opitzi"

dem Seestern: "Hymenosoma opitzi"

und dem Trilobiten: "Chotecops opitzi"

 

vor der Hans-Becker-Halle auf dem Rudolf-Opitz-Platz enthüllt.

 

 

Wie bereits erwähnt sind bedeutende Funde heute im Senkenbergmuseum in Frankfurt untergebracht.

Das ehemalige Schulgebäude der Ortsgemeinde Kirschweiler wird heute als Kindergarten genutzt, so dass keine Möglichkeit bestand die Fundstücke in angemessenem Rahmen zu präsentieren. Die interessante Ausstellung kann daher im Eingangsbereich des Wildfreigeheges an der Wildenburg besichtigt werden. Hier finden sich auch originalgetreue Nachbildungen der bekannten Funde, sowie zahlreiche Originalstücke.

 

Siehe hier: www.wildfreigehege-wildenburg.de